Schon alleine das erste Kapitel hat mich innerlich ziemlich aufgewühlt. Die Perspektive aus der Sicht des 15 jährigen Jungen, der sich teilweise so naiv verhält, dass es extrem auffällig ist, um dann andererseits so altbacken zu sein. Im weiteren Verlauf des Buches gesellt sich dazu noch eine absolute Demutshaltung, womit ich nur schwer umgehen konnte.
“Wenn ich es richtig sehe, besteht ihre Erfindung darin, daß der Stoff irgendwie auf ein Stück Karton bespannt ist, und das ist natürlich hübscher, ja, und dann sind auch die Zacken der Sterne nicht so lächerlich verschnitten wie bei mancher Heimfertigung.”
Gyurka ist Ungar. Sein Vater wurde 1944 in ein Arbeitslager verschleppt und er wird kurze Zeit später auch, zuerst nach Auschwitz, dann Buchenwald und von dort nach Zeitz, deportiert.
In Auschwitz sieht er die rauchenden Schornsteine des Krematoriums und ihrem bestialischen Gestank, und denkt sich dabei, es wäre eine Lederfabrik, die er einst mit seinem Vater besucht hatte.
Er berichtet vom Lager, von den typischen Strapazen und Gräuel, mit einer solchen „Hingabe“, dass es dem Leser wie Messer unter die Haut geht. Es ist kaum zu ertragen. Er empfindet Glück und Freude im Lager!
Diese Betrachtungsweise erinnert stark an eine Marionette, die nur an Fäden gespielt wird und die kein wirkliches eigenes Schicksal hat.
Und in der Tat ist es nur diese Sicht, der einen diese Situation ertragen lässt. Alles andere, die Abwehr, der Kampf, das Aufbegehren, hätte sicherlich zum direkten Tod geführt. Nur das sich Einfügen hält einen Lagerinsassen am Leben.
Das Buch ist sehr tief, und der Leser beschäftigt sich sehr intensiv mit der Geschichte. Eine klare Empfehlung!
„Wir selbst sind das Schicksal.“
Imre Kertész, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Er ist Übersetzer von Freud, Nietzsche, Hofmannsthal, Canetti, Wittgenstein u. a.. Die jahrzehntelange Arbeit am „Roman eines Schicksallosen“ finanzierte er durch Unterhaltungsstücke fürs Theater.
Ein sehr bedrückender Roman!
Schon alleine das erste Kapitel hat mich innerlich ziemlich aufgewühlt. Die Perspektive aus der Sicht des 15 jährigen Jungen, der sich teilweise so naiv verhält, dass es extrem auffällig ist, um dann andererseits so altbacken zu sein. Im weiteren Verlauf des Buches gesellt sich dazu noch eine absolute Demutshaltung, womit ich nur schwer umgehen konnte.
“Wenn ich es richtig sehe, besteht ihre Erfindung darin, daß der Stoff irgendwie auf ein Stück Karton bespannt ist, und das ist natürlich hübscher, ja, und dann sind auch die Zacken der Sterne nicht so lächerlich verschnitten wie bei mancher Heimfertigung.”
Gyurka ist Ungar. Sein Vater wurde 1944 in ein Arbeitslager verschleppt und er wird kurze Zeit später auch, zuerst nach Auschwitz, dann Buchenwald und von dort nach Zeitz, deportiert.
In Auschwitz sieht er die rauchenden Schornsteine des Krematoriums und ihrem bestialischen Gestank, und denkt sich dabei, es wäre eine Lederfabrik, die er einst mit seinem Vater besucht hatte.
Er berichtet vom Lager, von den typischen Strapazen und Gräuel, mit einer solchen „Hingabe“, dass es dem Leser wie Messer unter die Haut geht. Es ist kaum zu ertragen. Er empfindet Glück und Freude im Lager!
Diese Betrachtungsweise erinnert stark an eine Marionette, die nur an Fäden gespielt wird und die kein wirkliches eigenes Schicksal hat.
Und in der Tat ist es nur diese Sicht, der einen diese Situation ertragen lässt. Alles andere, die Abwehr, der Kampf, das Aufbegehren, hätte sicherlich zum direkten Tod geführt. Nur das sich Einfügen hält einen Lagerinsassen am Leben.
Das Buch ist sehr tief, und der Leser beschäftigt sich sehr intensiv mit der Geschichte. Eine klare Empfehlung!
„Wir selbst sind das Schicksal.“
Imre Kertész, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Er ist Übersetzer von Freud, Nietzsche, Hofmannsthal, Canetti, Wittgenstein u. a.. Die jahrzehntelange Arbeit am „Roman eines Schicksallosen“ finanzierte er durch Unterhaltungsstücke fürs Theater.
Kommentar von Krümel — 27.8.2010 @ 20:50